Ausführlicher Rennbericht
Jetzt mal meinen ausführliche Bericht zum Ironman gestern.
Der Tag hat früh angefangen, ab 4:15 Uhr haben die Nachbarn über uns wieder viel Spaß gehabt, wobei sie recht laut dabei war. Um 5:00 Uhr bin ich dann aufgestanden und habe ein bisschen Müsli und Baguette gefrühstückt. Um 6:45 Uhr waren wir dann in Calella am Start. Ich bin zum Rad und habe die Getränke zum Fahrrad gebracht, und die letzten Sachen in die Wechselbeutel gemacht.
Die Stimmung war großartig, es war noch dunkel aber hinten am Horizont hat man die Sonne aufgehen sehen. Am Strand hab ich dann noch mal Ruth und Lutz getroffen. Ich war aufgeregt, aber nicht besonders nervös. Irgendwie hatte ich schon das Gefühl, das ist ein guter Tag werden wird.
Der Ironman in Barcelona ist wohl der größte weltweit. 3900 Athleten waren angemeldet, etwa 3000 sind Ins Ziel kommen.
20 Minuten vor dem Start bin ich dann in meinen Startblock gegangen. Die Stimmung war Mega, richtig Gänsehaut. Die Ansager haben alles dafür getan, dass jeder das Gefühl hatte bei etwas einmaligen dabei zu sein. Auch Ruth hat danach erzählt, dass sie die Stimmung toll fand.
Nachdem die Profis im Wasser waren hat es noch gut 20 Minuten gedauert bis ich dran war. Es war ein Rolling Start, d.h. alle 6 Sekunden sind acht Athleten ins Wasser. D.h. man hat die ganze Zeit jede Menge Schwimmer um sich rum. Es war Kraut und Rüben, jeder ist ein bisschen schräg geschwommen und ständig hat man jemand vor sich hinter sich und neben sich gehabt. Ich hab auch mal ein Ellbogen ins Gesicht und einige Fußtritte abbekommen, aber nichts richtig schlimmes. Besonders waren die Gesichter, in die ich immer wieder geschaut hat beim Atmen. Das sieht irgendwie krass aus, wenn 30 cm neben dir jemand mit verzerrten Mund Luft in die Lunge saugt.
Das Schwimmen lief von Anfang an super, ich hatte nicht das Gefühl voll zu Powern. Das einzige was mich gestört hat, waren die Qualen, die ich unterwegs gesehen habe. Die zehn Tausende von kleinen Fische waren dafür ganz nett. An der ersten Wende Boje war es dann sehr voll. Danach ist man fast 2 km in eine Richtung geschwommen. Es kamen immer wieder Bojen. Nach den ersten Bojen dachte ich, jetzt muss ja bald der nächste Wendepunkt kommen. Das hat aber noch sehr sehr sehr lange gedauert bis er dann kam.
Zum Schluss des Schwimmendes habe ich gemerkt, dass ich noch gut power habe und bin ein bisschen schneller geschwommen. Beim Ausstieg war ich dann überrascht, dass ich doch so schnell unterwegs war.
Dann bin ich gemütlich in die Wechselzone und hab mich fürs Fahrradfahren fertig gemacht.
Die Anfeuerung von Ruth und Lutz war super, einfach schön wenn jemand an der Strecke nur für einen brüllt!
Das Fahrradfahren lief dann auch klasse. Ich bin die ersten 60 km mit einem Durchschnitt von 35 km/h gefahren. Und das, obwohl ich mich bewusst zurückgehalten habe, weil mein Trainer mir mehrmals gesagt hat, dass man am besten ein gleichmäßiges Tempo durch fährt.
Krass finde ich beim Fahrradfahren die zwei Klassen Gesellschaft. Es gab viele richtig geile Räder auf der Piste (die Kosten gerne 10.000 Euro). Einige Athleten geben lieber ein paar 1000 € mehr aus und machen dafür ein paar Trainingseinheiten weniger, oder haben einige Kilo mehr dabei (am Körper). Man sagt auch, das beste Material sieht man am Anfang und am Ende vom Feld.
Mit meinem Fahrrad war ich so in der Mittelklasse.
Eigentlich ist beim Triathlon Windschatten fahren verboten. Das war aber häufig unmöglich, weil so viele Fahrradfahrer unterwegs waren. Ich hab dann trotzdem immer versucht möglichst versetzt zu den anderen zu fahren. Für Windschatten fahren gibt es eine Zeit Strafe, die man an der Strecke absitzen muss. Ich habe an einer Stelle mal circa 50 Radfahrer gesehen, die eine Zeit Strafe hatten....
Einmal stand jemand am Wegrand mit einem Platten, dessen Wechselschlauch war wohl auch kaputt. Jedenfalls hat er Hilfesuchend die entgegenkommenden Athleten angeschaut in der Hoffnung einen Ersatzschlauch zu bekommen. Da fühlte ich mich schon irgendwie schlecht, weil ich nicht angehalten habe. Aber ich hatte auch nur einen Schlauch, und noch einige Kilometer vor mir.
Der führende kam mir zweimal entgegen. Das sieht schon krass aus, wie die auf dem Fahrrad liegen. Von vorne sieht das wie ein Pfeil aus, der auf ein zu geschossen kommt.
Bei der zweiten Runde wurde es dann doch immer schwerer das Tempo zu halten. Ich wurde dann auch etwas langsamer (am Ende hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h).
Ich weiß auch schon, wie ich beim nächsten Triathlon ohne besonderes Training 5 Minuten schneller werden kann: Ich lass mir einen Katheter legen! Ich musste beim Fahrradfahren fünf mal zum Pissen anhalten!
Am Ende vom Radfahren habe ich gemerkt, dass ich doch nicht in der Spitzengruppe bin. Da wurden die Fans am Wegrand schon weniger😀
Dann der Wechsel zum Laufen verlief auch wieder problemlos. Ich bin los gelaufen und habe schnell gemerkt, dass ich wahnsinnig schnell unterwegs bin, ohne dass ich mich besonders angestrengt gefühlt hätte. Die Stimmung an der Strecke war auch super, fast die Hälfte der Strecke war komplett gesäumt von Zuschauen die angefeuert haben. Besonders gut getan hat, wenn Musik am Wegrand gespielt wurde. Leider nie Heavy Metal. Was hätte ich mich über Rammstein (Feuer frei) Slayer (raining blood) oder Motörhead (overkill) gefreut🤘
Man ist auf der Strecke einmal raus aus der Stadt gelaufen, an einem ausgetrockneten Maisfeld vorbei. Das war richtig meditativ, wie der Wind im Maisfeld geraschelt hat, und man nur die Fußstapfen von hunderten von Joggern gehört hat.
Zum Glück haben Ruth und Lutz mir immer Getränke gereicht, so konnte ich bei den meisten Verpflegungsstationen durchlaufen.
Sehr früh beim Laufen habe ich schon gemerkt, dass der Magen tatsächlich das problematischste wird. Ich hatte zwar keine Magenkrämpfe, aber die ganze Zeit das Gefühl, dass nicht mehr viel fehlen würde dafür. Ich habe dann bald angefangen Cola zu trinken, das hat geholfen.
Bis Kilometer 22 lief es perfekt, ich hatte keine echten Probleme oder Schmerzen, aber dann wurde es zäh. Zum Glück ist Lutz eine Weile neben her gelaufen, das war eine sehr gute Ablenkung.
Dann hatte Lutz mir angesagt, dass ich unter 11 Stunden bleiben könnte. Da habe ich angefangen zu rechnen wie schnell ich nach laufen muss. Ab da war ich noch mal motiviert und habe gas gegeben. Das konnte ich zwar nicht die ganze Zeit durchhalten, aber immer wieder gelungen die Geschwindigkeit aufzunehmen. Unter 11 Stunden zu bleiben, wo ich eigentlich im Vorfeld dachte ich könnte vielleicht nur 12 Stunden schaffen, war schon toll.
Die letzten Meter ins Ziel waren überwältigend. Ruth und Lutz sind kurz vor dem Ziel gestanden, und viele Menschen die richtig Lärm gemacht haben.
Im Ziel habe ich dann die heiß ersehnten Worte gehört: „Jan, You are an Ironman“.
Direkt im Ziel habe ich mich dann erst mal in gekniet und war einfach nur glücklich. Mir hat es direkt auf den Hals zusammen geschnürt, keine Ahnung warum. Ich dachte ich würde auf der Stelle krank werden. Neben mir stand einer, der hat sich übergeben...
Danach gab es noch eine kalte Dusche, eine Massage und ein paar Süßigkeiten. Dann habe ich Ruth und Lutz in einer Strandbar in der Nähe getroffen. gefeiert habe ich nicht, dafür war ich zu kaputt. Mir ging es einfach nur gut!
Und heute muss ich sagen geht es mir schon wieder relativ gut. Vor allem die Gelenke tun weh, und natürlich auch die Muskeln. Aber bei weitem nicht so schlimm wie ich erwartet hätte. Naja, bin halt ein Ironman🤪
Jetzt möchte ich mich noch bei allen bedanken, die so super großzügig gespendet haben. Es freut mich sehr, dass so viele das Engagement der jungen Leute in Uganda anerkennen. Natürlich besonders schön, wenn auch noch finanzielle Unterstützung dabei ist, aber auch ohne finanzielle Unterstützung freue ich mich, wenn ihr euch für das Thema und die Arbeit von Hilfsorganisationen interessiert. Das Spenden Ziel habe ich erreicht, vielen Dank dafür! Es ist natürlich wie immer, mehr geht immer. Mein Ziel war ein Betrag, den ich hoffte zu erreichen, nicht das Geld das die Schule braucht. Wer nächste Woche noch Geld spenden möchte kann das gerne tun. Danach werde ich das Spenden Projekt schließen.
So, jetzt ist das Kapitel Ironman für mich erst mal abgeschlossen (erst mal heißt auf jeden Fall für dieses Jahr🤪). Viele Fragen, wie es weitergeht. Ich weiß es nicht, ich kann mir nicht vorstellen im nächsten Jahr noch mal den Trainingsaufwand für so einen Tag zu bestreiten. Zumindest wüsste ich nicht, wie ich es Ruth und den Kindern erklären könnte🤪
Besonders war der Sonntag abend auch, weil es der erste Sonntag abend seit Mai war, an dem ich nicht spät am Abend geschaut habe, wie mein Trainingsprogramm für die nächste Woche aussieht (das hat mir mein Trainer immer sonntag abends geschickt).
Interessant bei bei meinem Blog fand ich auch, wie ich doch ständig schaute, wie viele likes und Kommentare ich bekomme. Ich hoffe, dass ich davon jetzt wieder wegkomme😋Ich bin ja sonst eher ein Social Media Muffel.






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